HRB Hunsrückstraße - Einweihung 28.8.2017

12.09.2017

Feierliche „Taufe“ des Hochwasserrückhaltebeckens
Über 700 Baunataler bei Einweihung mit Umweltministerin an der Hunsrückstraße

Die Bürger im BaunaTal vor Flutkatastrophen besser zu schützen, das hatten sich die Stadt Baunatal und die Gemeinde Schauenburg vor 25 Jahren auf die Fahne geschrieben. Das gemeinsame Ziel ist erreicht: Mit der feierlichen Einweihung des Rückhaltebeckens an der Hunsrückstraße wurde der letzten Baustein im umfangreichen Hochwasserschutzkonzept des VAH offiziell seiner Bestimmung übergeben. Bei bestem Wetter erlebten über 700 Bürger die symbolische „Taufe“ des imposanten Bauwerks durch die hessische Umweltministerin Priska Hinz. Im Beisein von Baunatals Bürgermeister Manfred Schaub und dessen Schauenburger Amtskollegen Michael Plätzer drückte die Ministerin anschließend den Knopf zum Ausfahren der riesigen Sperrklappen.
Nach der Begrüßung der Gäste, darunter Vertreter der am Bau beteiligten Firmen sowie des Regierungspräsidiums Kassel, gab Bürgermeister Schaub einen Überblick über die Entstehung des Hochwasserschutzkonzepts des Verbandes für Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz Baunatal-Schauenburg (VAH). Auslöser für die Gründung des gemeinsamen Zweckverbandes war die verheerende Sturzflut im Sommer 1992, die Schäden in Millionenhöhe in der Region hinterlassen hatte. Eine solche Katastrophe sollte sich nicht wiederholen, darüber waren sich die betroffenen Kommunen einig. Entwickelt wurde das Konzept in Kooperation mit der Stadt Baunatal und der Gemeinde Schauenburg von der damaligen Gesamthochschule Kassel von Fachleuten der Abteilung Wasserbau und Wasserwirtschaft unter Leitung von Prof. Frank Tönsmann. Große Beachtung fand es bereits im Jahr 2000 bei der Weltausstellung EXPO in Hannover. Seither wurde es in einer über Jahrzehnte währenden Gemeinschaftsaufgabe konsequent umgesetzt und weiterentwickelt. Zu den größten Vorhaben gehören neben dem jetzt fertiggestellten Hochwasserrückhaltebecken in Kirchbauna das Polder Schefferfeld vor Altenritte und das Rückhaltebecken Katzenmühle; ebenso sind der Kleinstrückhalt Hoof und der Retentionsraum in Altenritte wichtige Maßnahmen für den Hochwasserschutz in Baunatal und Schauenburg. Darüber hinaus wurden mehrere kleinere lokale Hochwasserschutzvorkehrungen entlang der Bauna, beispielsweise in Guntershausen, verwirklicht. „Unser Dank gilt allen, die daran mitgewirkt haben, dass wir für die Bürger den größtmöglichen Hochwasserschutz gewährleisten können“, so der Bürgermeister.
Diesem Dank schloss sich der Schauenburger Bürgermeister Michael Plätzer an. Es sei eine besondere Leistung, dass man gemeinsam einen kompletten Hochwasserschutz für das BaunaTal geschaffen habe, stellte er fest. „Das Konzept greift“, fügte er hinzu.

Ein großes Lob für die großartige interkommunale Zusammenarbeit zwischen Baunatal und Schauenburg in Sachen Hochwasserschutz gab es auch von der hessischen Umweltministerin Priska Hinz. „Hier wurde etwas ganz Besonderes entwickelt und kontinuierlich umgesetzt“, bemerkte sie mit Blick auf das umweltverträgliche Konzept mit den vielen unterschiedlichen Maßnahmen. Die Wetterextreme würden zunehmen, stellte sie fest. Das Land Hessen habe seit 2014 rd. 50 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Dabei sei es wichtig, den Fokus nicht nur auf die technischen Bauten zu legen. „Man muss den Gewässern auch Raum geben, sich auszubreiten. An dieser Stelle danken wir den vielen privaten Bürgern, die bereit sind, Flächen für den Hochwasserschutz abzugeben“, sagte sie. Die Bürger in Baunatal hätten übrigens noch einen weiteren Grund zur Freude: Entlang der Anlage entstand ein Damm, der mitten in der Stadt für „Deich-Feeling wie an der Nordsee“ sorge. Den neuen Radweg, der auf der Dammkrone aus Richtung Kirchbauna in die Stadt führt, haben die Bürger bereits in Besitz genommen. Neben dem Radweg wurde ein neuer barrierefreier Weg zum Hauptfriedhof angelegt.

 

Viele Besucher bei Filmvorführung
Im Vorfeld der Einweihung hatte die Stadt Baunatal bei zwei Vorführungen im Cineplex noch einmal den beeindruckenden Hochwasserfilm gezeigt, den der Baunataler Adam Ritze seinerzeit im BaunaTal gedreht hatte. Dazu begrüßte Bürgermeister Manfred Schaub zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, bei denen die Erinnerungen an die Ereignisse vor 25 Jahren noch präsent sind. Bis zu zwei Meter hoch war die Flutwelle, die im Sommer 1992 in Baunatal und Schauenburg alles mit sich gerissen hatte. Straßen, Plätze und Keller standen meterhoch unter Wasser, Menschen und Tiere mussten gerettet werden.

Hochwasserrückhaltebecken Hunsrückstraße
Das Hochwasserrückhaltebecken an der Hunsrückstraße in Kirchbauna ist neben dem Polder Schefferfeld die zweitgrößte Schutzmaßnahme im Verbandsgebiet. Das Land förderte den insgesamt rd. 5,3 Millionen Euro umfassenden Bau mit rd. 3,7 Millionen. Mit einem Fassungsvermögen von ca. 100.000 m³, welches sich auf eine Einstaufläche von 4,9 ha ausbreitet, trägt das HRB Hunsrückstraße zu einer erheblichen Verbesserung der Hochwassersituation in Kirchbauna und Guntershausen bei. So kann beispielsweise mit Hilfe des Rückhaltebeckens der Wasserpegel im Falle eines 100-jährigen Hochwassers in Kirchbauna um 36 Prozent gesenkt werden. In Guntershausen senkt sich der Wasserpegel immerhin noch um ein Viertel. Die Wasserabgabe erfolgt durch ein Schütz wasserstandsabhängig in zwei Stufen. Bis zu einer Beckenfüllung von 11.000 m³ wird die Beckenabgabe bei 25 m³/s liegen. Sobald eine Einstaumenge von 11.000 m³ erreicht wird erhöht sich die Abgabe allmählich auf ihren Maximalwert von 39 m³/s.
Insgesamt betragen die Kosten für die umfangreichen Hochwasserschutzmaßnahmen in Baunatal und Schauenburg am Ende rd. 17 Mio. Euro, davon kamen 70 Prozent aus Fördertöpfen.

 

Foto: Einweihung 4